Klein Report
Dienstag, 5. Januar 2010Dreikönigstagung 2010: Scharfe Worte des Verlegerpräsidenten
Die Dreikönigstagung 2010 des Medieninstituts lockte am 5. Januar 2010 über 400 Verleger, Chefredaktoren und Medienleute in das Zürcher World Trade Center. Der Präsident des Verbands Schweizer Presse, Hanspeter Lebrument, wandte sich mit scharfen Worte gegen die «Medienschelte» aus SVP-Kreisen - das Schlimme dabei sei, dass die Verleger und Publizisten zu solcher «Medienschelte» noch applaudierten. Hanspeter Lebrument bezeichnete dies als «Masochismus» der Medienleute und verteidigte die Leistungen der Presse.
Der ehemalige Chefredaktor des «Tages-Anzeigers» und des Schweizer Fernsehens, Peter Studer, machte in seinem Referat an der Dreikönigstagung «kritische Beobachtungen zur aktuellen Befindlichkeit der Medienbranche». Obwohl er mit Lebruments Rede gegen die «Medienschelte» weitgehend einverstanden sei, wolle er doch auf Schwachpunkte hinweisen. Tatsache sei, dass sich «viele Leser von Zeitungen verabschiedet haben und dass der Stellenanzeigenmarkt völlig zusammengebrochen» ist. Das Panelgespräch unter Medienleuten an der Zürcher Dreikönigstagung befasste sich mit dem Thema Newsroom, der von verschiedenen Medienkonzernen eingeführt wird oder eingeführt werden soll. Über den Titel der Chefredaktoren-Runde «Think thank oder Sweatshop» (Denkfabrik oder Ausbeutungsbetrieb) mokierte sich Gesprächsleiter Andrea Masüger zu Recht. Hannes Britschgi (Chefredaktor «SonntagsBlick») verteidigte Ringiers Etablierung eines Newsrooms für die «Blick»-Gruppe; es werden 15 Millionen Franken investiert. Wichtig sei auch, dass der Newsroom das Miteinander und Zusammenarbeiten der Redaktion positiv beeinflusse. Catherine Duttweiler (Chefredaktorin «Bieler Tagblatt») verwies auf ihre Erfahrungen mit «einem kleinen Newsrümli». Print und Online arbeiteten heute gut zusammen. «Die Integration von Radio und TV funktioniert jedoch noch nicht.» Diese seien allerdings an den Sitzungen anwesend, betonte Duttweiler. Der Co-Chefredaktor des «Tages-Anzeigers», Res Strehle, sprach sich gegen den Newsroom aus und machte drei Gründe geltend: Man sei national mit mehreren Zeitungen wie z. B. «Basler Zeitung» verbunden, da herrschten verschiedene Redaktionskulturen. Für Online und Print brauche es unterschiedliche Journalisten. News, Recherche und Analyse müssten ausserdem voneinander getrennt werden. An der Dreikönigstagung vertrat Frédéric Filloux Thesen gegen den Mainstream, gegen das Bild vom Internet als dem Allheilmittel gegen Krisen und Leserschwund. Grundsätzlich sei nämlich das Werbekonzept für das Internet gescheitert: die User bzw. Leser klickten nicht auf Werbelinks. Noch schlimmer: Die erfolgreichste Erweiterung (Add-on) für den von Google entwickelten Webbrowser Chrome sei ein Werbeblocker. «Wir haben in den Jahren 2007 bis 2009 im Bereich Search and Find den Online-Anteil gegenüber dem Print-Bereich von 20 auf 30 Prozent erhöht», sagte Hans-Peter Rohner, CEO und Verwaltungsratspräsident der Publigroupe. In seinem Referat «Wohin steuern Publigroupe und Publicitas» sah er Google als Konkurrenten und Partner gleichzeitig. Google werde im Jahr 2010 wohl einer der fünf grössten Geschäftspartner der Publigroupe. Ralph Büchi, Präsident Axel Springer International und CEO der Axel Springer Schweiz AG, zitierte den schönen, auf die Schweiz gemünzten Satz «Tageszeitungen sind wie Bauernhöfe: klein, aber zahlreich.» Heute gebe es knapp 400 Tageszeitungen auf 7 Millionen Einwohner in der Schweiz, das seien dreimal mehr Zeitungen pro Kopf als in Deutschland. Daher stehe den Schweizer Tageszeitungen eine schmerzhafte Konsolidierungsphase bevor. Der Umstieg auf Paid Content (Bezahlinhalte) ist für Büchi daher nicht einfach eine Option, sondern eine existenzielle Notwendigkeit. |








