Klein Report

Dienstag, 8. Januar 2008
Dreikönigstagung 2008: Jahresauftakt der Medienbranche

Die Dreikönigstagung des Medieninstituts des Verbandes der Schweizer Presse (VSP, zu dem sich dieses Jahr eine Rekordzahl von 400 Fachleuten einfand, hat zum zehnten Mal im Zürcher World Trade Center stattgefunden. Hauptthema im Saal und in der Wandelhalle war die Zukunft der Zeitungen und Zeitschriften. Dabei oszillierten die Meinungen je nach Perspektive vom unmittelbar bevorstehenden Ende der Printmedien bis zur gesicherten Zukunft bis in alle Ewigkeiten.

Dem Namen «Dreikönigstagung» entsprechend setzten sich viele (Fast)-Könige in Szene. Den Reigen eröffnete traditionellerweise Verlegerverbands-Präsident Hanspeter Lebrument, der für einmal nicht wie in früheren Jahren mit gröberen Rundumschlägen für Kollateralschäden sorgte. Mit unterschiedlichem Temperament sangen Tamedia-Verwaltungsratspräsident Pietro Supino und «Le Matin»-Chefredaktor Peter Rothenbühler das Hohelied der Printmedien, wobei Gratispublikationen durchaus neben den abonnierten Publikationen bestehen können.

Damit das nötige Kleingeld den Weg in die Printmedienunternehmen findet, sind auch die Inserate wichtig, weshalb der Verlegerverband alljährlich einen Wettbewerb «Das kann nur ein Inserat» veranstaltet, dessen Publikumspreise ebenfalls am Anlass vergeben wurden. Der Anlass ging weiter mit Informationen von Manuel Dähler von der Mediapulse zum Thema Mediennutzungsforschung, Klaus Kappeler von der Goldbach Media über den unaufhaltbaren Vormarsch der elektronischen Medien, und Dominique von Burg, der als neuer Präsident des Schweizer Presserats vehement dafür plädierte, die Schweizerische Radio- und Fernsehgesellschaft und den Verlegerverband in den Presserat aufzunehmen.

Ergänzt hat der Klein Report diesen Referatereigen mit einigen Interviews zu den Aussichten auf das neue Jahr. Es waren dies unter anderen «Aargauer Zeitung»-Verlagsleiterin Christine Rennhard, Martin Radelfinger, Chief Business Development der Goldbach Media, «Basler Zeitung»-Verleger Matthias Hagemann, Robert Schmidli von der Mediasales/Publicitas, Publisuisse-Chef Martin Schneider, «Tages-Anzeiger»-Chefredaktor Peter Hartmeier sowie Verwaltungsrat Arthur Tabeling von der Dietschi AG («Oltner Tagblatt»).


Dreikönigstagung 2008: Erfolg mit dem, was die Leser wollen

An der Dreikönigstagung des Medieninstituts des Verbandes der Schweizer Presse (VSP) kamen mehrere Themen zur Sprache: zum Beispiel die Entwicklung der Gratispresse in der Schweiz. Tristan Cerf, Chefredaktor von «Matin Bleu», berichtet dem Klein Report vom erfolgreichen Engagement der Redaktion: «Die Redaktion ist hoch motiviert und wir haben als Zeitung in der Westschweiz die Nase vorn», kommentiert der initiative Troubleshooter aus Lausanne den Start. Die «Matin Bleu»-Redaktion versuche auch immer die besten Geschichten zu lancieren. «Diese sind natürlich nicht so umfangreich wie diejenigen von `Le Temps`», setzt Tristan Cerf hinzu. Aber es seien auch einige kleinere «Scoops» gesetzt worden.

Der Chefredaktor des «Tages-Anzeigers», Peter Hartmeier, macht in seinem Statement für den Klein Report auf die neusten Tendenzen im Lesermarkt aufmerksam. «Wir bemerken in der Leserschaft von abonnierten Zeitungen wie dem TA ein kritisches Verhalten. Die wollen mehr wissen und verlangen eine ausserordentliche Leistung der redaktionellen Inhalte», so der TA-Chefredaktor weiter. Deshalb lasse sich die Redaktion vermehrt etwas einfallen. Als jüngstes positives Beispiel nennt Peter Hartmeier: «Vor Weihnachten haben wir fünf lange Interviews publiziert. Und zwar mit prominenten Persönlichkeiten, mit so genannten `Welterklärern`. So viele Reaktionen habe ich schon lange nicht mehr bekommen. Die Leute fordern eben ausserordentlichen Lesestoff.»

Der Geschäftsführer der Freien Presse Holding, Beat Lauber, erläuterte gegenüber dem Klein Report die Entwicklung der NZZ Gruppe: «Wir sind kein klassisches Printmedienhaus mehr. Alle Mediengattungen müssen vor allem auch im Regionalbereich entsprechend miteinbezogen werden.» Qualität und Inhalt seien dabei besonders wichtig. Natürlich bleibe im Moment Print der stärkste Medienbereich, aber auch TV, Radio, Internet oder neue Dialogmedien brauche es dazu. «Wir wollen in den Regionen zum kompletten Anbieter von Informationen für den täglichen Alltag werden», betonte Beat Lauber.