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Mittwoch
09.01.2019

Medien / Publizistik

Ohne Relotius hätte «Spiegels» mehr verloren

«Handelsblatt» und «Bild» sind 2018 deutlich häufiger zitiert worden als im Vorjahr. Der «Spiegel» dagegen verlor seine Spitzenposition, wie aus einem neuen Ranking hervorgeht.

Wäre der Fall Relotius nicht gewesen, der die «Spiegel»-Nennungen massiv erhöht haben mag, sähe die Bilanz für das Magazin aus Hamburg wohl dramatischer aus.

In dem Zitate-Ranking von Media Tenor büsste der «Spiegel» im Zeitraum Januar bis Dezember letzten Jahres 90 Punkte gegenüber dem Vorjahreszeitraum ein. Den stärksten Zuwachs verzeichnete dagegen das «Handelsblatt», das in der Rangliste um 179 Punkte zulegte.

Das Boulevardblatt «Bild» hatte den «Spiegel» schon im Jahr 2016 als Spitzenreiter überholt: Damals lag die hohe Medienpräsenz der «Bild»-Zeitung an der Berichterstattung rund um die Kölner Silvesternacht und die Nachbeben von Angela Merkels migrationspolitischem Aufruf «Wir schaffen das».

Wer nun meint, auch 2018 habe «Bild» vor allem mit Flüchtlingen gepunktet, irrt. Laut Medientenor ist der Zuwachs von «Bild» auf die Affäre um den Verfassungsschutz-Präsidenten Hans-Georg Massen und auf die grossen Reportagen zu der Wahl des neuen CDU-Parteivorsitzes zurückzuführen.

Überlegen muss sich die «Süddeutsche Zeitung», was punkto Themen-Setting schiefläuft. Trotz grossangelegter Recherchen wie den «Implant Files» ist der linksliberale Titel 2018 deutlich weniger oft zitiert worden als 2017.