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Mittwoch
12.4.2017

TV / Radio

Von Anfang bis Ende ein Desaster

Nach der «Arena»-Sendung «Trumps Krieg gegen die Medien» sind 494 Beanstandungen bei der Ombudsstelle der SRG Deutschschweiz eingegangen.

Die komplett aus dem Ruder gelaufene SRF-Talksendung vom 24. Februar beschäftigte sich mit der Rolle der Medien und der Frage, ob man der «vierten Gewalt» noch trauen kann. Unter anderem gab es Streitereien zwischen Moderator Jonas Projer und dem Historiker und Friedensforscher Dr. Daniele Ganser. Nebst aller Uneinigkeit führte die «Arena»-Redaktion Ganser vor, indem Material gegen diesen eingespielt wurde und er als «Verschwörungstheoretiker» dargestellt wurde.

Nach der grössten Beanstandungswelle seit dem Bestehen der Ombudsstelle liegt nun ein 30-seitiger Schlussbericht vor. Die 494 Beanstandungen gingen gemäss der gesetzten Frist zwischen dem 25. Februar und dem 16. März ein. «Eine ganze Anzahl von Beanstandungen, die nach Ablauf der Beanstandungsfrist von 20 Tagen einging, konnte nicht mehr berücksichtigt werden», so die Ombudsstelle.

Bereits die Vorstellung der Hauptgäste sei ungewohnt gewesen, heisst es im Bericht: «Während fünf von ihnen mit ihrer Funktion präsentiert wurden – Roger Schawinski: Journalist und Medienunternehmer (später als Einspielung auch: Medienpionier), Claudio Zanetti: Nationalrat der SVP, Karin Müller: Chefredaktorin «Telebasel», Markus Spillmann: Präsident der Stiftung Schweizer Presserat, Vincent Augustin: Präsident der Unabhängigen Beschwerdeinstanz für Radio und Fernsehen UBI – wurde Daniele Ganser als ´umstrittener Publizist` eingeführt (später als Einspielung: Publizist).»

Ausser Daniele Ganser sind alle Gäste neutral – also mit ihrer wichtigsten Funktion – vorgestellt worden. Und schon lag das Kind im Bade und das Elend nahm seinen Lauf.

Nach 30 Seiten meint Ombudsmann Roger Blum: «Per saldo komme ich zum Schluss, dass ich Ihre Kritik in drei von sechs vorgebrachten Punkten unterstützen kann und dass dort meiner Meinung nach die Sendung ´Arena` das Sachgerechtigkeitsgebot verletzt hat. Ich empfehle Radio und Fernsehen SRF, die ´Publizistischen Leitlinien` so zu ergänzen, dass in Sendungen, in denen die Medien an und für sich und SRF im Speziellen thematisiert werden, eine erhöhte journalistische Sorgfaltspflicht gilt.»