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Mittwoch
06.03.2019

TV / Radio

Laut Meierhans sei primär die Weko gefordert

Der grosse Pay-TV-Dschungel bei den Sportübertragungen beschäftigt auch Preisüberwacher Stefan Meierhans. Denn für sportbegeisterte Konsumentinnen und Konsumenten ist die Situation schon seit Jahren ein Riesenärgernis.

«Beim Preisüberwacher sind 2018 zahlreiche Beanstandungen bezüglich Sportübertragungen im Fernsehen eingegangen», steht im Jahresbericht des Preisüberwachers, der am Montag veröffentlicht wurde.

Grund für den grossen Ärger: Die Schweizer Sport-TV-Landschaft gleicht einem Flickenteppich. Die Live-Übertragungsrechte für Fussball und Eishockey sind über diverse Fernsehanbieter verteilt. Die Exklusivrechte beim Fussball liegen bei Teleclub (Swisscom), Sky, Eurosport oder dem Streaming-Anbieter Dazn. Beim Schweizer Eishockey ist UPC am längeren Hebel.

Swisscom, UPC und Co. haben alle ihre eigenen, zum Teil kostspieligen Sport-Paket-Angebote. Nur schon für alle Spiele der Fussball-Bundesliga braucht es zwei verschiedene Abos. Ganz zu schweigen von der Champions League. Wer sich durch den Pay-TV-Dschungel hindurchkämpfen will, muss deshalb tief in die Tasche greifen.

Sollten wichtige Sportereignisse künftig nur noch exklusiv über ein einziges Netz verbreitet werden, wäre das nicht nur für das sportbegeisterte Fernsehpublikum ärgerlich. «Es besteht auch die Gefahr, dass kleinere Anbieter aus dem Markt verdrängt werden und der Wettbewerb zwischen den Infrastrukturbetreibern leidet», so Stefan Meierhans.

Dem Preisüberwacher, der die Situation um Swisscom und UPC beobachtet, seien aber teilweise die Hände gebunden. Gemäss Meierhans wäre im Pay-TV-Bereich in erster Linie die Wettbewerbskommission (Weko) gefordert, «um Bedingungen für einen fairen Wettbewerb sicherzustellen».

Bereits 2013 hatten die Wettbewerbshüter eine Untersuchung gegen die Swisscom eröffnet. Diese mündete im Mai 2016 in einer Busse von 71,8 Millionen Franken: Es wurde unter anderem festgestellt, dass Swisscom im Bereich der Schweizer Fussball- und Eishockeyübertragungen ihre marktbeherrschende Stellung missbrauchte, um konkurrierende TV-Plattformbetreiber zu behindern.

Und seit Mai 2017 steht auch UPC im Visier der Wettbewerbshüter. Auch dort haben sich beim Pay-TV-Angebot «Anhaltspunkte für den Missbrauch einer marktbeherrschenden Stellung» gezeigt. So erhält Swisscom keinen Zugriff auf die Live-Eishockey-Spiele des Konkurrenten - ähnlich wie es Swisscom beim Fussball umgekehrt mit UPC gemacht hatte.

Doch die Zähne der Weko haben sich in den letzten Jahren als stumpf erwiesen: Der Entscheid gegen Swisscom ist bis heute nicht definitiv, weil beim Verwaltungsgericht immer noch ein Verfahren hängig ist. Und im UPC-Fall konnte die Untersuchung noch gar nicht abgeschlossen werden. Die Fernsehzuschauer warten seit Jahren vergeblich auf ein faires, auch nur in Ansätzen umfassendes Sport-TV-Angebot.

Immerhin: Der Preisüberwacher wolle die Situation weiter beobachten, schreibt Stefan Meierhans in seinem Jahresbericht: «Sollte der Weko-Entscheid zur Swisscom vom Bundesverwaltungsgericht bestätigt werden, kann die Preisüberwachung untersuchen, wie Teleclub diesen umsetzt und wie sich das auf die anderen Anbieter von Sportinhalten auswirkt, um einen Preismissbrauch gemäss dem Preisüberwachungsgesetz zu verhindern», heisst es aber weiter nur im Konjunktiv.