Content:

Dienstag
21.3.2017

TV / Radio

Da hat jemand mit der ganz grossen Werbekelle angerichtet: Über eine grossformatige Anzeige suchte ein Schweizer Fernseh-Unternehmen in der «Neuen Zürcher Zeitung» vom Samstag nach potenziellen Geldgebern. Der anonyme Koloss-Sender erreicht gemäss Inserat sagenhafte 24 Millionen deutschsprachige Haushalte.

«Unsere Mandantin ist ein sehr innovatives Schweizer Fernseh-Unternehmen», startet die Anzeige zunächst noch eher harmlos, im üblichen PR-Slang. Danach geht es bereits an die vermeintlich harten Fakten: «Dem Unternehmen ist es gelungen, den einzigen Schweizer TV-Sender zu etablieren, der täglich von 20:00 Uhr bis 08:00 Uhr 24 Millionen deutschsprachige Haushalte in ganz Europa erreicht.»

Wer jetzt noch nicht höchst beeindruckt ist, dürfte es spätestens dann sein, wenn er noch weiter liest: «Ein Schweizer TV-Sender für ganz Europa. Eine Werbe-Maschine, die sehr viel Geld einspielt», so die klare Ansage, die den Leser in neugieriges Staunen versetzt.

Eine «Werbe-Maschine», die 24 Millionen ZuschauerInnen erreicht, wie ist das nur möglich? Die Antwort folgt im nächsten Satz: «Warum erreicht dieser Sender so viele Zuschauer? Für den Zuschauer steht nicht die Werbung im Vordergrund, sondern der interessante Inhalt.» Und davon hat der anonyme Sender selbstredend einiges in Petto: Eine Nachrichtensendung, ein Polit-Format mit Interviews oder sogar Comedy und Kabarett, dem Zuschauer wird auf diesem Sender zwischen 20:00 Uhr und 8:00 Uhr wirklich alles geboten.

Spätestens jetzt ist der Zeitpunkt gekommen, in dem der Leser der Anzeige das Interesse verspürt, seine Brieftasche zu zücken und sein Geld in dieses Unternehmen zu investieren. «Wollen Sie Mitbesitzer werden?» Ja, aber sicher, denkt sich der Leser... «Ihre Anfrage wird absolut vertraulich behandelt», liest man schliesslich. Die Investition in die «Werbe-Maschine» ist nun greifbar nahe.

Letzte Skeptiker erhalten über einen Youtube-Link weitere Informationen zum TV-Sender. Und endlich hat das Baby auch einen Namen: Quantisana TV: «Offen, ehrlich und exklusiv», erklären gleich mehrere, vertrauenswürdige Personen im Video. Dazu gehören Sendeformate wie etwa «Good News TV», die Nachrichtensendung, die «ausschliesslich über wohltuend gute Nachrichten» berichtet, oder «Perspektiven TV», eine Sendung, in der Interviews «mit den grossen Denkern und Philosophen unserer Zeit» geführt werden.

Dabei handle es sich um ein «völlig neues TV-Format», eine Kombination von traditionellem Homeshopping mit «innovativem Infotainment». Die Qualität von Quantisana TV ist auf der offiziellen Website sogar per Gütesiegel belegt: «Vom Quantisana Expertenrat geprüft», liest man da tatsächlich.

Bei Quantisana TV handelt es sich um ein Angebot, das seit diesem Jahr auf dem kleinen Privatsender Schweiz 5 zu finden ist. Dahinter verbirgt sich ein alter Bekannter aus dem TV- und Radio-Geschäft: Peter Heeb, Geschäftsführer von 1FLTV, ist nämlich auch mehrheitlich an Schweiz 5 beteiligt und zudem Mitglied im Verwaltungsrat der Quantisana TV Fernseh-, Produktions- und Betriebs AG. Der VR-Präsident und Geschäftsführer heisst Alexander Glogg.

Und dieser Sender «erreicht» wirklich 24 Millionen Zuschauerinnen und Zuschauer? Das Informationsvideo auf Youtube lässt die Blase platzen: «Mit unseren Sendungen richten wir uns an über 24 Millionen deutschsprachige Haushalte.» Zwischen «sich an Zuschauer richten» und «Zuschauer erreichen» liegt nämlich ein grosser Unterschied.

Telefonische Kontaktversuche zu Verantwortlichen von Schweiz 5 sowie der Balzer-Betriebe AG, zuständig für die Ausschreibung der Anzeige in der NZZ, die der Klein Report am Montag unternommen hat, blieben erfolglos. Quantisana hat hingegen ein Treffen angeboten, an dem Hintergrundinformationen zum neuen Sender und zur Möglichkeit einer Beteiligung besprochen werden können.