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17. Mai 2012, 06:10
Studie zu Merger und Acquisition in der deutschen Verlagsbranche
16:00
Donnerstag
26.01.2012
Ausland

Zusammenschlüsse und Käufe in der deutschen Verlagsbranche, sogenannte Merger & Acquisition (M&A)-Aktivitäten, haben sich 2011 vom Einbruch nach der Wirtschaftskrise deutlich erholt. Dies ergab eine Studie der auf die Verlagsbranche spezialisierten Unternehmensberatung Bartholomäus & Cie. aus Frankfurt. Mit 225 Übernahmen und Beteiligungen deutscher Verlage wurden rund zehn Prozent mehr Deals registriert als im Vorjahr. Allerdings verloren die Investitionen im zweiten Halbjahr wieder an Fahrt: Nach 121 Deals im ersten Halbjahr sank die Zahl abgeschlossener Transaktionen in der zweiten Jahreshälfte auf 104.

Das Gesamtvolumen der Transaktionen (gemessen am Umsatz der Kaufobjekte) erhöhte sich gegenüber dem Vorjahr sogar um 40 Prozent auf rund 3,5 Milliarden Euro (2,5 Milliarden in 2010). Den grössten Anteil daran hatten die Tageszeitungen (rund 1,6 Milliarden Euro - bedingt durch den Mega-Deal der «WAZ»-Mediengruppe) und der Buchhandel (rund 0,78 Milliarden Euro). Die meisten Transaktionen zeigten die Fachmedien (53), die Publikumsverlage (43) und der Buchhandel (38). Im Jahresvergleich stiegen die Deal-Zahlen in fast allen Marktsegmenten an.

Eine Reihe prominenter Transaktionen prägten das Geschehen 2011, zum Beispiel im digitalen Bereich die Übernahme des französischen Immobilienportals SeLoger.com durch Axel Springer oder der Ausbau der Beteiligungen von Burda (zooplus.de) und Thalia (buch.de). Speziell die Konsolidierung unter den regionalen Tageszeitungen beschleunigte sich 2011 wieder: Neben der «WAZ» wurden 2011 in Deutschland Übernahmen beziehungsweise Beteiligungen am «Westfalen-Blatt», «Märkische Allgemeine Zeitung» und «Südkurier» abgeschlossen. Mit der Mediengruppe Pressedruck etablierte sich dabei ein neuer Player im Konzert der grossen deutschen Tageszeitungsgruppen. Bertelsmann hat seinen Ausstieg aus den internationalen Buchclubs durch den Verkauf der Direct Group France nahezu abgeschlossen.

Digitale Geschäftsmodelle waren erneut bei rund einem Drittel der Deals gesucht (36 Prozent im Vorjahr). Der Schwerpunkt lag auf transaktionsgetriebenen (e-Commerce) sowie Community-Geschäftsmodellen. Daneben expandierten die grossen Verlagsgruppen gezielt in digitale Dienstleistungen wie Location-based Services (Couponing) und Social Media Marketing und setzten damit ihren strategischen Umbau von Print zu digitalen Medien konsequent fort.

Mittelständische Verlage - also das Gros der deutschen Unternehmen in der Medienbranche - zeigten 2011 wieder deutlich mehr Mut zu externem Wachstum: Im Durchschnitt schlossen sie grössere Deals ab als im Vorjahr und mehr strategische Übernahmen und Beteiligungen. Dabei war eine deutlich gestiegene Bereitschaft von Printhäusern zu beobachten, durch strategische Investments in neue Medienformate (zum Beispiel Portale, Events) und in Dienstleistungen zu diversifizieren. Das historische Kerngeschäft der deutschen Verlage, das Bedrucken von Papier, gerät damit beim externen Wachstum zunehmend in den Hintergrund.

Wie alle Investitionen sind auch M&A-Entscheidungen stark vom Markt- und Konjunkturklima abhängig. Die Lage zu Beginn des Jahres 2012 sei von Unsicherheit in Folge der Staatsverschuldungs- und Eurodebatte geprägt, der Rückgang der wirtschaftlichen Dynamik sei spürbar und die Kernfrage werde sein, ob (und wie stark) die deutsche Wirtschaft tatsächlich in eine Rezession gerate, meinen die Autoren der Studie. Diese Vorsicht bedeute, dass der im Vorjahr vorhandene konjunkturelle Rückenwind für strategische Entscheidungen nachlasse, was sowohl auf Käufer- als auch auf Verkäuferseite eher zu einer weiteren Zurückhaltung führen sollte. Das könnte auch das Interesse an M&A-Investitionen im Jahr 2012 spürbar schwächen. Sofern allerdings externe Schocks ausbleiben, sollte sich der Anstieg des M&A-Marktes in der Medienbranche auch 2012 fortsetzen.

«Wir haben uns als M&A-Berater ausschliesslich auf die Medienbranche spezialisiert, alle unsere Partner kommen aus Medienunternehmen», erläuterte Axel Bartholomäus, Chef der Beraterfirma, am Mittwoch gegenüber dem Klein Report. «In unserer Studie, die wir jetzt zum achten Mal veröffentlichen, können wir die strategischen Treiber, die den Wandel in der Medienwelt befeuern, sehr gut herausarbeiten. Für deutsche Verlage sei die Schweiz in der Regel kein Markt, auf dem sie unbedingt präsent sein müssen, meinte Bartholomäus weiter. «Trotzdem gibt es natürlich auch immer wieder M&A-Investitionen in Schweizer Unternehmen, wie im letzten Jahr die Übernahme des Bildungsanbieters ZfU International Business School durch die Fachmediengruppe WEKA.»

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