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Montag
06.05.2019

TV / Radio

Heftige Diskussionen an der GV der SRG Bern Freiburg Wallis am 3. Mai 2019 in Burgdorf

Es ist ein offenes Geheimnis, dass nur wenige der 170 Radio-Mitarbeitenden von Bern nach Zürich umziehen möchten.

Die von der SRG als Sparübung verkaufte Verlegung ist für interne wie externe Beobachter ein Scheinargument, zumal es sich nicht um weltbewegende Beträge handelt. Die meisten Radioangestellten befürchten durch den Wegzug aus Bundesbern eine publizistische Schwächung.

Der Streit hat nun auch an der 94. ordentlichen Generalversammlung der SRG Bern Freiburg Wallis voll durchgeschlagen: Es kam gar zur Abwahl von Beat Hayoz von der Freiburger Sektion am Freitag in Burgdorf. Denn im Mai 2018 hatte die Generalversammlung mit 146 Ja-Stimmen bei einer Enthaltung einer Resolution zugestimmt, die fordert, «dass Bern im Vergleich zu Zürich und Basel ein mindestens gleichwertiger redaktioneller Standort von SRF bleiben muss». Dabei müsse der Bereich Information weiterhin ein Aushängeschild des SRF-Standortes in Bern sein.

Beat Hayoz begrüsste aber öffentlich den Entscheid des SRG-Verwaltungsrats, das Radiostudio Bern nach Zürich zu verlegen - und das auch gegen den Vorstand der SRG Bern Freiburg Wallis. Denn der teilte die Haltung von Beat Hayoz ebenfalls nicht, «weil er sich dem Zweckartikel in den Statuten der regionalen SRG-Trägerschaft verpflichtet fühlt und sich daher konsequent für den Studiostandort Bern einsetzt», wie Präsident Léander Jaggi nach der GV am Freitag bekannt gab.

Obwohl die Freiburger Sektion Hayoz unterstützte, wurden Vizepräsident Walter Langenegger aus Bern und Vorstandsmitglied Matthias Eggel aus Brig-Glis in den Regionalrat der SRG Deutschschweiz gewählt. Langenegger erhielt 176, Eggel 145 Stimmen. Beide setzen sich für den Studiostandort Bern ein und ersetzen Ueli Scheidegger, der zurücktrat, und eben Beat Hayoz aus Düdingen.

An der Generalversammlung mit 190 Genossenschafterinnen und Genossenschaftern und 30 Gästen wurden zudem Alice Hüsler aus Spiegel, langjähriges Mitglied des Publikumsrats der SRG Deutschschweiz und der Programmkommission, und Peter Flück aus Interlaken, Vorstandsmitglied und Präsident der Kommission für Öffentlichkeitsarbeit, verabschiedet.

Ein Antrag von Rolf Schuler wurde angenommen, der den Vorstand verpflichtet, dem SRG-Verwaltungsrat schriftlich kundzutun, seinen Entscheid zur Verlegung des Radiostudios bis spätestens am 30. September 2019 rückgängig zu machen.

Gar nicht gut kam die Intervention des Walliser CVP-Politikers Jean-Michel Cina an, der seit 1. Mai 2017 Präsident der SRG SSR ist. Cina warf dem Vorstand und der gesamten Trägerschaft vor, mit ihrem Engagement für den Radiostudiostandort Bern würden sie nur Partikularinteressen verfolgen und der SRG als Ganzes schaden. Cina erntete Buhrufe und Pfiffe.

Und die neue SRF-Direktorin Nathalie Wappler stellte sich in Burgdorf den Genossenschaftern kurz vor, hielt den Ball zum Thema aber flach.

In seiner Rede kritisierte denn auch der Präsident der SRG Bern Freiburg Wallis, Léander Jaggi, den Umzug nach Zürich-Leutschenbach erneut sehr heftig und bezeichnete ihn als klaren «Fehlentscheid». «Wir haben unsere Interessen im letzten Jahr auf allen Ebenen vertreten, haben Fragen gestellt und leider nicht immer Antworten erhalten», sagte Jaggi eher freundlich diplomatisch.

Genau das gleiche kritisieren ja auch die Direktbetroffenen, wie die Gruppierung Pro Radiostudio Bern nach der Abfuhr für die Parlamentarische Initiative am 30. April monierte. Denn die vorbereitende Kommission sieht «keinen politischen Handlungsbedarf» in der SRF-Umzugs-Frage. «Die SRF-Journalistinnen und -Journalisten durften sich in keiner Weise einbringen - weder wurden sie von der Kommission befragt, noch durften sie in der Wandelhalle lobbyieren - ihnen wurde von der SRG ein Maulkorb in eigener Sache verhängt.»

Und die Reaktion nach der Burgdorfer GV: «Die turbulente GV der SRG BE FR VS dürfte in die Geschichte der SRG eingehen - weil sie für das vergiftete Klima innerhalb der SRG steht: Oben die Führung mit ihren 'komp Fachleuten' - unten die unwissende Basis, zu der auch das journalistische Personal im Studio Bern gehört», twitterte die Gruppe Pro Radiostudio Bern.