Content:

Mittwoch
11.1.2017

TV / Radio

Jedes Jahr wandern mehr Schweizerinnen und Schweizer aus: Mittlerweile leben schon 750 000 Schweizer im Ausland. Sie bei ihrem Traum vom besseren Leben im Ausland zu begleiten, befriedigt den Voyeurismus der TV-Zuschauer geradezu perfekt. In der Schweiz und im Ausland.

Das zeigt auch der Erfolg von Formaten wie «Goodbye Deutschland» auf Vox, das vor allem auf bereits im eigenen Land gescheiterte Existenzen bei ihrem Aufbruch in eine bessere Welt setzt.

Geschichten wie die des Kult-Auswanderers Jens Büchner, der mittlerweile mit seiner neuen XL-Familie mit neuer Frau und Zwillingen auf Mallorca lebt, bescheren Vox seit Monaten gute Einschaltquoten. Der Lebenskünstler Büchner nutzt die Gunst der Stunde und geht jetzt auch noch ins Dschungelcamp.

Spannend und mitunter sogar lehrreich sind «seriösere» Auswanderer-Formate wie «Der Traum vom Auswandern» auf ZDF, «Adieu Heimat» auf 3+ und «Auf und davon» auf SRF.

«Auf und davon» hat Anfang Januar mit einer neuen Staffel begonnen. Unter den Auswanderern sind auch zwei alte Bekannte. Und zwar Tobias Bayer und sein Lebensgefährte Michael Paris, die schon mit 3+ «Adieu Heimat» nach Fuerteventura ausgewandert sind. Sie wollten auf der kanarischen Insel ein Wellness-Hotel eröffnen, sind aber gescheitert.

Nun gibt ihnen SRF eine neue Chance. Warum das? Der Klein Report hat bei Frank Senn, Redaktionsleiter von «Dok»-Serien bei SRF, nachgefragt. «Tobias Bayer und Michael Paris haben sich – wie alle Protagonisten – bei uns beworben. Sie sind sympathisch und telegen, das Projekt mit der Bar fanden wir spannend, und es war innerhalb einer überschaubaren Zeitspanne realisierbar», erklärt Senn. «'Adieu Heimat' wurde 2011 gedreht und seitdem schon mehrfach wiederholt. Wir zeigen den zweiten Versuch der beiden im Jahr 2016 mit einer neuen Ausgangslage.»

Doch was gab letztlich den Ausschlag, ausgerechnet dieses Paar zu berücksichtigen? Frank Senn: «Bei der Konzeption einer Staffel müssen wir die Serie immer als Ganzes betrachten, und da stimmt mit den beiden der Mix. Sie passen sowohl als Personen als auch mit ihrem Vorhaben sowie der Destination ideal. Im Gegensatz zu Familie Volk und dem Ehepaar Tschudi stehen sie weiter für Auswanderer mit kleinem Geldbeutel.»

Und doch bleibt für den TV-Zuschauer ein fader Nachgeschmack. Es ist fast, als hätte SRF nicht genug «eigene» Protagonisten für ihr Format gefunden, wenn alte Auswanderer-Geschichten aufgewärmt werden müssen. Ein Vorwurf, den Frank Senn nicht gelten lässt. «Wir erhalten jeweils zwischen 50 und 60 Bewerbungen von Schweizern, die eine Auswanderung planen. Bei der Konzeption einer Staffel müssen wir, wie bereits gesagt, die Serie immer als Ganzes betrachten. Tobias Bayer und Michael Paris passen perfekt in die aktuelle Staffel», so der Redaktionsleiter der «Dok»-Serien abschliessend.

Auswandern bleibt für viele Schweizer ein Traum. Mal schauen, ob es Tobias Bayer und Michael Paris diesmal schaffen. Und wenn nicht, können sie immer noch bei Vox anheuern.