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Montag
26.11.2018

IT / Telekom / Druck

Kooperation, Teilen & Friede: Oder Business?

Einmal im Jahr tagt in Wuzhen, zwei Autostunden weit weg von Shanghai, die «World Internet Conference». Sie wird vom chinesischen Staat organisiert und soll dazu dienen, Netz-Themen, Politik und Technologie zu diskutieren.

Die Konferenz findet seit 2014 statt und dient der Führung Chinas dazu, die Regeln für den Cyberspace zu definieren: «Cyber-Souveränität» heisst dies auf Chinesisch.

Diese Jahr versammelten sich wie üblich Parteikader, chinesische Unternehmer und deren Mitarbeiter, aber selbstverständlich auch Manager von Facebook und Google zum Treffen.

800 Millionen Chinesen sind online, in den USA sind es nicht einmal 300 Millionen. Da überlegen sich die Firmen im Silicon Valley sehr wohl, wo sie am besten und lukrativsten Geschäfte machen können. Mark Zuckerberg kann es sich ohne Proteste erlauben, regelmässig die Bücher von Staatschef Xi Jinping zu rühmen.

Twitter hat eine ehemalige Volksarmee-Befreierin angestellt, deren erster China-Tweet lautete: «Lasst uns zusammenarbeiten, um der Welt die grossartige China-Geschichte zu erzählen.» («Süddeutsche Zeitung» vom 10./11. November 2018)

Während in den Belegschaften von Google im Westen sich grossen Protestbewegungen gegen die Zusammenarbeit mit Einparteienstaaten und Autokratien noch formieren und aktiv sind, beschwichtigen die oberen Google-Kader mit dem klassischen Argument: Lieber so ein Google (also zensuriert) als gar kein Google.

Mittlerweile sollte jeder wissen: Um Suchmaschinen, um Freundschaften oder gar darum, die Welt zu einem besseren Ort zu machen, geht es den Firmen im Silicon Valley schon längst nicht mehr. Das grosse Freiheitsversprechen «Netz» zeigt sich am Beispiel der Volksrepublik China nur noch in Form von Business.