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Samstag
27.12.2014

Medien / Publizistik

Die Zeitungslandschaft in Schaffhausen wird im nächsten Jahr neu geordnet. Der letzte Konkurrenzkampf ist beendet, nun dominiert die Meier + Cie. AG den ganzen Kanton. Neben der Tageszeitung «Schaffhauser Nachrichten» gibt sie die Lokalzeitungen «Steiner Anzeiger», «Neuhauser Woche», «Thaynger Anzeiger» und «Klettgauer Bote» heraus und betreibt das Schaffhauser Fernsehen und Radio Munot.

Noch vor wenigen Jahren waren insbesondere die Lokalzeitungen noch nicht in der Hand der Meier + Cie. AG. Doch die Stossrichtung der Entwicklung begann sich vor knapp fünf Jahren deutlich abzuzeichnen.

2011 verpachtete der Inhaber der «Klettgauer Zeitung» aus Hallau die Verlagsrechte an die Herausgeberin der «Schaffhauser Nachrichten». 2012 lancierte der Meier-Verlag die «Neuhauser Woche», nachdem die Vorgängerpublikation «Rheinfall-Woche» den Betrieb aus finanziellen Gründen einstellen musste. Die Gemeinde Neuhausen finanziert die Zeitung mit.

In diesem Jahr legte die Meier + Cie. AG nochmals nach und kündigte für das neue Jahr eine Nachfolgepublikation des «Thaynger Heimatblattes» an, das dessen Betreiber aus Altersgründen nicht mehr weiterführen wollte. Auch die Gemeinde Thayngen beteiligt sich finanziell an der neuen Lokalzeitung «Thaynger Anzeiger».

Ab diesem Zeitpunkt hatte die Meier + Cie. AG nur noch im Klettgau eine Konkurrenz, die dasselbe Gebiet wie die «Klettgauer Zeitung» abdeckt, nämlich die «Schaffhauser Landzeitung» der Druckerei Stamm Co. aus Schleitheim. Thomas Stamm, der Verleger der «Schaffhauser Landzeitung», hatte vor fünf Jahren eine offensive Strategie angekündigt.

Das Konzept des «Schleitheimer Boten» (damals zusätzlich noch mit dem Kopfblatt «Oberklettgauer») wurde umgekrempelt und der Name im 140. Jahrgang in «Schaffhauser Landzeitung» geändert. Zudem suchte Thomas Stamm die Zusammenarbeit mit der «Klettgauer Zeitung», was deren damaliger Verleger Max Weber aber ablehnte.

Nachdem der Meier-Verlag die «Klettgauer Zeitung» übernommen hatte, wurden zwar ein neues Konzept und eine ordentliche Redaktion eingeführt, um im Konkurrenzkampf im Klettgau wieder die Oberhand zu gewinnen, doch die Zeitung büsste weiter an Einfluss ein. Mehrere Gemeinden wählten neu statt dem «Klettgauer» die «Landzeitung» als öffentliches Publikationsorgan. Am Ende blieb nur noch Hallau der «Klettgauer Zeitung» treu.

Nun ist aber auch dieser Konkurrenzkampf beendet. Denn die «Klettgauer Zeitung» und die «Schaffhauser Landzeitung» fusionieren und werden ab Januar zum «Klettgauer Boten». Herausgeberin wird der Meier-Verlag, der Verleger des «Klettgauer Boten» wird allerdings Thomas Stamm.

Der Meier-Verlag hat damit die Zeitungslandschaft unter Kontrolle, einen Wettbewerb gibt es nicht mehr. Der wöchentliche Gratisanzeiger «Schaffhauser Bock», der zwar mehrheitlich dem Unternehmer Giorgio Behr gehört, ist ebenfalls zu 49 Prozent in Meier-Besitz.

Die Wochenzeitung «schaffhauser az» stellt eine Ergänzung dar, ist aber mit einer Normalauflage von 3000 Exemplaren gegenüber 38 000 Exemplaren der «Schaffhauser Nachrichten» auf dem Werbemarkt kaum in Konkurrenz zum Meier-Verlag. Ebenso die alternativen Medien wie das Radio Schaffhauser Alternative (RaSA) und das vierteljährlich erscheinende Magazin «Lappi tue d`Augen uf». Einzig die Top Medien aus Winterthur stehen bei Radio und Fernsehen noch in ernst zu nehmender Konkurrenz zum Meier-Verlag.

Dieser will nun sein Territorium verteidigen. «Wenn ein Verlag von aussen versuchen würde, bei uns Fuss zu fassen, könnte das zweifellos sehr unangenehm werden», sagt Meier-Verleger Norbert Neininger in einem Interview mit der «schaffhauser az». Auch finanziell soll die Übernahme der Lokalzeitungen kein Minusgeschäft werden. «Wenn wir alle vier Kleinzeitungen als Ganzes betrachten, dürfte es uns sogar gelingen, einen bescheidenen kleinen Gewinn zu erwirtschaften.»