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Donnerstag
12.1.2017

Medien / Publizistik

Quartier im Hotel Rothaus bezogen: Project R

Der «Tagesanzeiger» ist seit Jahren unter zunehmendem Spardruck, und die «Schweiz am Sonntag» wurde unterdessen ganz wegrationalisiert. Mit Constantin Seibt und Christof Moser planen zwei Journalisten deshalb lieber an ihrem eigenen Project R. Im nächsten Jahr wollen sie ihr digitales Magazin lancieren.

«Die grossen Verlage verlassen den Journalismus», so das Fazit der beiden ehemaligen Journalisten von Tagi und «Schweiz am Sonntag». Anstatt Geld in Publizistik zu investieren, würden sich Verlage lieber zu «Internet-Handelshäusern» umwandeln, heisst es weiter.

Der Spardruck auf den Redaktionen, Kooperationen und Zusammenlegungen unter Wegrationalisierung von Arbeitsplätzen und dazu die Tatsache, dass gleichzeitig Millionenboni an CEOs und Verlegerfamilien ausgeschüttet werden, haben den beiden Journalisten hörbar zugesetzt.

«Es ist jetzt Zeit zu handeln. Deshalb entwickelt Project R ein neues, von Medienkonzernen unabhängiges Geschäftsmodell», heisst es deshalb. Eine «Aufbau-Crew» um Seibt und Moser ist Anfang Jahr ins Hotel Rothaus im Zürcher Kreis 4 eingezogen, um Konzeption und Entwicklung des Projekts voranzutreiben.

Die Idee, dass Journalisten gewissermassen selber zur Marke werden, ist nicht neu und wurde in der Vergangenheit bereits von Hansi Voigt geäussert, der Watson nach drei Jahren als Geschäftsführer und Chefredaktor verlassen musste. Er selber glaubt, dass es in zehn Jahren keine Verlage mehr gibt, wie er gegenüber mehreren Medien sagte.

Nun will Project R – ohne Hansi Voigt – zwischen Januar und Februar eine eigene Genossenschaft und eine Produktions- und Vertriebs-AG gründen. Zur Startfinanzierung soll im Mai und Juni ein Crowdfunding stattfinden, bevor ab Sommer 2017 die Redaktion aufgebaut wird. Der Start des digitalen Magazins ist auf Anfang 2018 geplant.

Neben Constantin Seibt und Christof Moser, die für Konzeption und Redaktion verantwortlich sind, gehören Susanne Sugimoto als Geschäftsführerin, Laurent Burst (Strategie), Nadja Schnetzler (Prozesse und Zusammenarbeit), Clara Vuillemin (Head of IT), Patrick Recher und Thomas Preusse (beide Software-Entwicklung) sowie François Zosso (Finanzen) zum Gründungsteam.