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Freitag
7.12.2018

Medien / Publizistik

Starker Gegenwind für den Quotengaranten

Man stelle sich vor, die Leute gehen auf die Strasse und fordern mehr Demokratie und die Medien beurteilen diese Aktion als Frechheit. Genau dies geschieht in vielen Medien, allen voran auch beim Schweizer Radio und Fernsehen (SRF).

Die Relevanz des französischen Protestes von links bis rechts gegen die Regierung Macron wird unterschätzt, teilweise sogar lächerlich gemacht, während Frankreichs Präsident Emmanuel Macron nach wie vor als Star gefeiert wird.

Das SRF-Radioformat «Rendez-vous» titelte ganz im Stile eines Boulevardmagazins: «Macron beugt sich dem Druck der Strasse» und insinuierte damit, dass die Regierung Schwäche und nicht Führungsstärke zeigt, wenn sie die Proteste im eigenen Land ernst nimmt.

Emmanuel Macron war seit seiner Präsidialkampagne ein Medienliebling, ein Produkt, das Zeitschriften, TV-Sendern, ja allen Medienproduzenten inklusive Twitter gute Verkaufszahlen und Quoten bescherte.

Jetzt, wo das Medienprodukt Macron gewaltig Gegenwind durch die französische Demokratie und die Protestbereitschaft der Bürger spürt, wird immer noch munter das Produkt Macron beworben, statt über die Entscheidungsprozesse und die politischen Willensäusserungen in funktionierenden Demokratien zu berichten.

Dieses Versäumnis wird für Medien zum Risiko: Es kann dazu beitragen, dass sich immer mehr Menschen von den klassischen Informationsportalen abwenden.