Content:

Donnerstag
12.1.2017

TV / Radio

Beim «Tatort» ist man seit Jahren an Quotenrekorde gewöhnt. Doch 2016 hat die deutsche Krimireihe deutlich Zuschauer verloren, wie die «Bild am Sonntag» berichtet.

Statt 9,53 Millionen in 2015 schalteten im vergangenen Jahr durchschnittlich nur noch 8,95 Millionen ein. Betrachtet man lediglich das zweite Halbjahr, waren es sogar nur 8,73 Millionen. Immer noch Super-Quoten – aber ist der «Tatort»-Boom vorbei? Das fragt sich zu Recht nicht nur die BamS.

Das «Tatort»-Jahr 2016 bot in der Tat wenige Highlights. Immer häufiger nutzten die Macher die Reihe dazu, auch aussergewöhnliche Filme zu drehen. Nicht immer treffen diese neuen Wege den Massengeschmack.

Vor allem der Hessische Rundfunk wagt mit seinen Ermittlern in Wiesbaden (Ulrich Tukur, Barbara Philipp) und Frankfurt (Wolfram Koch, Margarita Broich) neue Wege.

Liane Jessen, Spielfilmchefin beim Hessischen Rundfunk (HR) gegenüber der BamS: «Ich muss als Redakteurin eines öffentlich-rechtlichen Senders nicht nur informieren und unterhalten, sondern auch bilden. Das steht ja schliesslich im Staatsvertrag.»

Auf die Quote komme es ihr dabei gar nicht so sehr an: «Wenn ich meinen Auftrag erfülle, ist es mir egal, ob eine halbe Million mehr oder weniger zuschauen. Dafür sind wir als öffentlich-rechtlicher Sender auch nicht da.»

Trotz sinkender Quoten glaubt sie weiter an den Erfolg: «Wenn man anstelle des 'Tatorts' nur ein schwarzes Bild senden würde, sitzen trotzdem Millionen vor dem Fernseher und warten darauf, bis es irgendwann mal losgeht.»

So einfach sollte es sich eine «Tatort»-Verantwortliche allerdings nicht machen. Gerade die sehr unterschiedlichen Einschaltquoten zeigen doch sehr klar, dass nicht alle Ermittler beim TV-Zuschauer gleich gut ankommen.

Die Einschaltquoten des «Tatorts» sind 2016 gesunken. Der Blick auf das Ranking der erfolgreichsten Folgen von 2016, die der ORF ausgestrahlt hat, birgt hingegen einige Überraschungen – auch für die Schweiz.

Der Wiener Schmäh ist auch in seiner Heimat äusserst beliebt. Und so stehen wenig überraschend Harald Krassnitzer und Adele Neuhauser mit «Sternschnuppe» an der Spitze des Rankings. Diese Folge verfolgten 1,17 Millionen Zuschauer auf ORF.

Nummer zwei belegt das erfolgsverwöhnte Münster «Tatort»-Duo Axel Prahl und Jan Josef Liefers,  das mit «Ein Fuss kommt selten allein» 811 000 österreichische Zuschauer fesselte.

Nummer drei sicherte sich überraschend das Schweizer Duo Delia Mayer und Stefan Gubser mit dem im In- und Ausland vielfach gelobten «Kleine Prinzen», das 803 000 Zuschauer generierte.

Dahinter folgen die 1000. Folge «Taxi nach Leipzig». Schlusslicht beim ORF-Tatort-Ranking für 2016 markiert die Folge «Kartenhaus» mit Miroslav Nemec und Udo Wachtveitl vom Bayerischen Rundfunk, die nur gerade 669 000 Zuschauer begeistern konnte.

Die Einschaltquoten des Sonntagskrimis sind gesunken. Grund genug für die Macher, sich ernsthaft Gedanken über das Format zu machen. Gerade, wo sich in den letzten Jahren viel Staub angesammelt hat, sollte man aktiv werden. Denn manchmal kehren neue Besen wirklich besser.