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Donnerstag
9.8.2018

TV / Radio

Das Transparent war im TV kaum zu sehen

Zur besten Sendezeit haben Umweltaktivistinnen und -aktivisten von Greenpeace am Dienstagabend die Ausgabe des TV-Wetterberichts auf SRF 1 gestört. Mit Luftballonen, die Klimaschutz-Botschaften trugen, wollten sie Schweizer Politikerinnen und Politiker zuhause auf dem Sofa erreichen.

«Heiss? Klimaschutz!»: Dies eine der Botschaften, die Greenpeace in der SRF-«Meteo»-Ausgabe vom Dienstagabend in den blauen Himmel hätte setzen wollen. Doch weil die Aktivistinnen und Aktivisten nicht nah genug ans Leutschenbach herankam und die Kameraleute sofort einen anderen Bildausschnitt wählten, sah man vom Transparent nicht viel. Die Luftballone waren für die Zuschauerinnen und Zuschauer nur kurz und ganz klein am unteren Bildrand sichtbar.

SRF distanzierte sich von der Greenpeace-Aktion. Die Kommunikationsabteilung des Schweizer Radio und Fernsehens (SRF) gab auf Anfrage des Klein Reports aber nur ein vorgefertigtes Statement heraus: «Unsere Kameraleute haben die Situation sofort erkannt, absolut korrekt reagiert und den Kameraausschnitt entsprechend angepasst.»

Ob die friedliche Greenpeace-Message für einen besseren Klimaschutz deshalb von einem Politiker oder einer Politikerin zuhause vor dem TV gesehen wurde, ist zu bezweifeln. Georg Klingler, Leiter Klimakampagne bei Greenpeace Schweiz, gibt sich gegenüber dem Klein Report trotzdem zufrieden mit der Aktion.

«Unsere Aktivistinnen und Aktivisten haben das aus Druck gemacht, weil es momentan so gefährlich heiss ist. Sie wollten die Message, dass die Klimakrise endlich angepackt wird, in die Stuben der Politikerinnen und Politiker tragen.»

Diverse Medien haben nach einem Bericht von Radio 1 über die nicht geglückte Aktion auf dem SRF-«Meteo»-Dach berichtet. Der Adressat sei aber keinesfalls das SRF gewesen, betont Klingler. «Es ging den Aktivistinnen und Aktivisten darum, über die Sendung, in der seit Tagen über die Bruthitze berichtet wird, unsere Politikerinnen und Politiker anzusprechen. Denn diese haben in Sachen Klimaschutz bislang komplett versagt.»

Die Aktion von Greenpeace ist am Mittwoch noch weitergegangen. Die Aktivisten trugen ihre Botschaft vor das Bundeshaus in Bern. Dorthin, wo bisher viel geredet, aber wenig getan worden sei. «Wenn wir unsere Gesundheit und unsere Heimat mit den Gletschern, den Bergen, den grünen Wiesen und Wäldern, den blauen Gewässern und der reichen Artenvielfalt schützen wollen, müssen wir jetzt die Weichen stellen für einen Ausstieg aus Öl, Gas und Kohle sowie der intensiven, tierbasierten Landwirtschaft. Weiter untätig zu bleiben, wird schmerzhaft und teuer», sagt der Leiter der Klimakampagne bei Greenpeace Schweiz weiter.

Reaktionen von Politikerinnen und Politiker habe Greenpeace bisher noch keine erhalten. «Bisher haben wir nur auf Twitter ein paar Likes bekommen», so Klingler. «Unser Anliegen ist es, dass man über die Sache spricht.» Es müsse allen ein Anliegen sein, dass man mit dem Klimaschutz in der Schweiz vorwärts mache.

Dem SRF muss die Aktion schlecht eingefahren sein. Auf mehrmaliges Nachfragen, wie es bezüglich Sicherheitsmassnahmen auf dem «Meteo»-Dach aussehe, wollten die Verantwortlichen im Leutschenbach partout keinen Kommentar abgeben. Im Zeitalter von Drohnen könnten Störaktionen von irgendwelchen Extremisten für die moderierenden Wetterexperten extrem gefährlich ausfallen. Auch zu Fragen nach Publikumsreaktionen auf die Greenpeace-Aktion und dazu, wie es für den Moderator der Sendung, Jan Eitel, war, als hinter ihm plötzlich Ballone in die Höhe stiegen, reagierte der SRG-Sender nicht.

Greenpeace betonte gegenüber dem Klein Report, dass die Sicherheit immer das oberste Gebot der friedlichen Aktivistinnen und Aktivisten sei. «Weder Moderator noch Kameramann oder sonst jemand waren durch die Luftballone je gefährdet», wie Klingler unterstreicht.