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Freitag
07.06.2019

Medien / Publizistik

Abstruse Vorwürfe gegen News-Portal tut.by

Seit fast 25 Jahren hat Aleksander Lukaschenko Weissrussland fest in seiner Hand. Auch kurz vor den Olympischen Europaspiele in Minsk verfolgt das Regime unvermindert kritische Journalisten.

Laut der Belarussischen Journalistenvereinigung BAJ wurden im vergangenen Jahr 31 Medienschaffende vorübergehend festgenommen, in 26 Fällen durchsuchte die Polizei Wohnungen oder Redaktionsräume. 2018 sei im Schnitt alle drei Tage ein Journalist bestraft worden und 2019 gehe es in der gleichen Kadenz weiter.

Ein besonders absurdes Beispiel war laut der Organisation der Prozess gegen die Chefredaktorin des Nachrichtenportals tut.by, die Anfang März zu einer Busse von umgerechnet über 5000 Euro verurteilt wurde. 

Ihr wurde vorgeworfen, ihrer Mitarbeiter hätten unautorisiert Passwörter genutzt, um an Material der staatlichen Nachrichtenagentur BelTA zu gelangen - an Inhalte also, die kurz nach dem Versand an zahlende Kunden sowieso frei auf der Agenturwebsite verfügbar sind.

«Tausende Athletinnen und Athleten nach Belarus einzuladen, ohne dass die Menschen dort ihre Meinung frei äussern dürfen, ist eine Farce», schreibt Reporter ohne Grenzen (ROG) und fordert die Sportverbände auf, sich mit verfolgten Journalisten zu treffen, um ein Zeichen zu setzen.