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Dienstag
11.6.2013

Der Presserat verlangt in seinem Kodex, dass Journalisten Falschmeldungen umgehend berichtigen. Die Medienwächter selber nehmen  es indes nicht so genau, wenn es darum geht, eigene Fehlleistungen öffentlich zu korrigieren. So geschehen im Fall von Telebasel. Rechtsanwalt Jascha Schneider, der den Privatsender anwaltlich gegen den Presserat vertreten hat, kommentiert den Fall im Klein Report auf seiner Sicht:

Telebasel soll einer Aktivistin vor deren Haustür aufgelauert und sie anschliessend gegen ihren Willen gefilmt haben. Das sei, so der Presserat, ein krasser Verstoss gegen die journalistische Sorgfaltspflicht. Im Rahmen des Beschwerdeverfahrens war die gerügte Sequenz indes kein Thema, was nicht erstaunt: Nicht einmal die Beschwerdeführerin selber hatte behauptet, sie sei vor ihrer Haustür belästigt worden.

In Tat und Wahrheit hatte Telebasel auf öffentlichem Grund mit einem Dritten ein Interview geführt, als zufällig die Beschwerdeführerin vorbeilief und die Journalisten regelrecht anpöbelte. Das hat der Basler TV-Sender gefilmt und ausgestrahlt. Telebasel hat zu seiner Entlastung das Rohmaterial unterdessen ins Netz gestellt.

Der Presserat hat mit anderen Worten von sich aus eine nicht beanstandete Filmsequenz als unethisch qualifiziert. Und das erst noch unter völliger Verkennung des Sachverhalts. Unbestrittenermassen eine krasse Fehlleistung.

Der Presserat hat auf Intervention hin den Sachverhalt korrigiert. Soweit so gut. Er hat jedoch nicht die Grösse gezeigt, die Angelegenheit inhaltlich nochmals neu zu beurteilen. Er beharrt auf seiner Auffassung, dass es auch unzulässig sei, eine Frau, die auf ein Reporterteam zustürmt und es anpöbelt, zu filmen.

Das ist sicherlich keine medienfreundliche Auslegung der Spielregeln. Und steht zudem im eigenen Widerspruch, zumal der Presserat im selben Entscheid festgehalten hat, dass Name und Beruf dieser Person im TV-Beitrag genannt werden durften. Wenn also an der Identität der Beschwerdeführerin ein öffentliches Interesse besteht, müsste das nicht erst recht auch dann gelten, wenn diese Person ein Journalistenteam im Zusammenhang einer kritischen Berichterstattung auf öffentlicher Strasse anpöbelt?

Besonders stossend ist, dass der Presserat diesen falschen Sachverhalt in seinem Newsletter regelrecht breitgeschlagen hatte, nunmehr jedoch vornehm darauf „verzichtet“, den Adressatenkreis mit der Richtigstellung zu beliefern. Kein gutes Vorbild also, welches die Medienwächter da abgeben. Noch gravierender ist der Umstand, dass im Internet nach wie vor keine Korrektur erfolgt ist und auf www.presserat.ch immer noch der falsche Sachverhalt publiziert wird.

Der Presserat stösst in seiner derzeitigen Form an seine Grenzen. Immer wie mehr werden Sachverhaltsfragen zum Thema, die ohne ordentliches Beweisverfahren nicht bewertet werden können. Entweder beschränkt sich der Presserat wieder wie früher darauf, keinen Beweisfragen nachzugehen. Oder aber er arbeitet an der Rechtsstaatlichkeit seines Verfahrens. Ansonsten müssen die Medienwächter früher oder später mit einer Klage wegen unlauteren Wettbewerbs rechnen: So wie ein Journalist unlauter handelt, wenn er «Bernina»-Nähmaschinen grundlos herabsetzt - ein bekannter Schweizer Präzedenzfall -, haftet der Presserat, wenn er einem Medienunternehmen fälschlicherweise ein unprofessionelles Verhalten unterstellt.