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Sonntag
30.06.2019

Medien / Publizistik

Wurde zu Unrecht inhaftiert: Deniz Yücel

Der Journalist und «Welt»-Korrespondent Deniz Yücel hat zu Unrecht in Untersuchungshaft gesessen. Dies hat das türkische Verfassungsgericht am Donnerstag entschieden. Eine Meldung, die den türkischen Präsidenten Erdogan hart treffen wird, da er Yücel damals als «Terroristen» diffamierte.

Sagenhafte 13 Monate sass Deniz Yücel hinter Gittern, davon über neun Monate in Isolationshaft. Das türkische Verfassungsgericht in Ankara kam zum Entscheid, dass mit dieser Haft die Rechte des Journalisten auf persönliche Sicherheit und Freiheit sowie sein Recht auf Meinungsfreiheit verletzt wurden. Wie aus dem richterlichen Amtsblatt hervorgeht, sprach das Gericht Yücel ausserdem ein Schmerzensgeld von 3'800 Euro zu.

Auf Twitter reagierte der Journalist kurz darauf mit mehreren Tweets sowohl in deutscher als auch in türkischer Sprache. Mit dem Urteil sei keine Gerechtigkeit getan, so Yücel. «Späte Gerechtigkeit ist keine. Dass mir und meinen Liebsten ein Jahr unseres Lebens geraubt wurde, ist mit 3800 Euro nicht wiedergutzumachen und wäre es auch nicht mit der tausendfachen Summe.»

Weiter schreibt Deniz Yücel, dass durch das Urteil höchstrichterlich festgestellt wurde, dass es sich beim türkischen Präsidenten Recep Tayyp Erdogan und weiteren im Fall Yücel verwickelten Personen um «Lügner, Verleumder und Kidnapper handelt». Auch die Niedertracht der Regierungsmedien sei wieder einmal vor Augen geführt worden, erzürnt sich der Journalist.

Der türkische Präsident hatte Yücel während dessen Verhaftung öffentlich als Terroristen bezeichnet. In einem seiner letzten Tweets vom Donnerstag nennt Yücel den türkischen Präsidenten schliesslich einen «Rädelsführer einer kriminellen Vereinigung».