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Sonntag
10.02.2019

Medien / Publizistik

Das Daten-Leck belegt 30 Jahre Repression

Die Islamische Republik Iran feiert ihr 40-jähriges Bestehen. Mindestens 860 Journalisten sind zwischen 1979 und 2009 von den iranischen Behörden verfolgt, inhaftiert und in manchen Fällen hingerichtet worden - wie der iranisch-schweizerische Doppelbürger Simon Farzami.

Die eindrücklichen Proportionen der Repressalien belegen geleakte Daten aus dem iranischen Justizministerium, die Whistleblower Reporter ohne Grenzen (ROG) zugespielt haben. In der brisanten Datei sind alle Festnahmen, Inhaftierungen und Hinrichtungen in der Region Teheran über drei Jahrzehnte minuziös aufgelistet. 

Inhaftiert wurden die Journalisten zum Teil unter fadenscheinigen Vorwürfen wie «Kollaboration mit einem fremden Staat» oder «Beleidigung des Obersten Führers», wie aus der Datei hervorgeht. 

Viele davon wurden in Isolationshaft untergebracht, ihnen wurde der Zugang zu einem Anwalt, der Kontakt zu ihren Familien oder medizinische Versorgung verweigert, einige wurden misshandelt oder gefoltert, zählt ROG auf. Die Journalistenorganisation hat die Datei nach Medienschaffenden durchkämmt und ausgewertet.

«Die nun bekannt gewordenen Informationen belegen erstmals derartige Verbrechen, die die iranischen Behörden bislang vertuschen oder verschleiern wollten», schreibt ROG in ihrem Bericht weiter.

Hingerichtet zwischen 1979 und 2009 wurden mindestens vier Journalisten: Ali Asgar Amirani, Said Soltanpour, Rahman Hatefi-Monfared und Simon Farzami.

Im Fall von Simon Farzami, einem schweizerisch-iranischen Doppelbürger jüdischer Herkunft, bestätigt die Datei zum ersten Mal, dass er von den Behörden festgenommen wurde, und was sie ihm vorwarfen. 

Farzami wurde im Mai 1980 festgenommen und der «Spionage für die USA» angeklagt. Sechs Monate später wurde er im Alter von 70 Jahren im Evin-Gefängnis hingerichtet.

Der Journalist war Bürochef von AFP in Teheran und Redaktor der französischsprachigen Zeitung «Le Journal de Téhéran».