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Montag
04.03.2019

Marketing / PR

Weissenfluh: «Stehen auf gesunden Beinen»

Die Messen stecken in einem schwierigen Marktumfeld. Franziska von Weissenfluh, Präsidentin des Verwaltungsrates der Bernexpo Group, sagt im Gespräch mit dem Klein Report, wie der Wandel vom Flächenvermieter zum Live-Kommunikations-Unternehmen voran geht und wie «Digital First» fürs Live Marketing zur Chance werden kann. 

Die Bernexpo Group ist vor Kurzem mit dem Immobilienentwickler HRS Real Estate AG eine Partnerschaft eingegangen, wie der Klein Report berichtete. Was versprechen Sie sich von der Zusammenarbeit?
Franziska von Weissenfluh
: «Unsere Ziele sind vielfältig: Einerseits werden wir zusammen mit HRS ein erweitertes Nutzungskonzept für das gesamte Areal unseres Messeplatzes ausarbeiten und andererseits wird HRS Investoren suchen, die eine Mehrheit der Messepark AG übernehmen werden. Bernexpo will ihre Immobilien verkaufen und keine weiteren Investitionen in Neu- oder Umbauten vornehmen. Vielmehr wollen wir in unsere Kernkompetenz investieren und uns als Live-Kommunikations-Unternehmen stärken und weiter ausbauen.»

Wie ist die Partnerschaft organisiert? Welche Personen ziehen die Fäden? Ist eine Werbeagentur beteiligt?
Von Weissenfluh
: «Ein Ausschuss des Verwaltungsrates hat mit diversen möglichen Partnern Gespräche geführt und sich dann einstimmig für die Zusammenarbeit mit HRS entschieden. Die Ausarbeitung der Rahmenbedingungen werden weiterhin zwischen dem VR-Ausschuss und den obersten Verantwortlichen bei HRS geführt. Die Geschäftsleitung von Bernexpo ist selbstverständlich in diesen Prozess integriert und verantwortet unter vielem anderen zusammen mit unserer Werbeagentur Republica die Kommunikation gegen aussen.»

Sind noch weitere Partner im Boot?
Von Weissenfluh
: «Unsere jetzigen Partner sind die Stadt, der Kanton und die Burgergemeinde von Bern. Sie halten zusammen mit drei Nachbargemeinden etwas über 20 Prozent an der Messepark AG. Wie viele und welche Investoren sich zusätzlich an der Messepark AG beteiligen werden, ist noch offen.»

Laut einer Medienmitteilung soll auch das Nutzungskonzept für das gesamte Messepark-Areal überarbeitet werden. In welche Richtung könnte das gehen? 
Von Weissenfluh
: «Ein Teil unserer Hallen ist bereits in die Jahre gekommen, sie entsprechen nicht mehr den Marktbedürfnissen. Zudem wird unsere gesamte Ausstellungsfläche nur bei einigen Messen wie zum Beispiel der BEA, der SwissSkills oder Agrama voll ausgenutzt. Zusammen mit HRS prüfen wir nun, wie auch unsere Restfläche während des ganzen Jahres genutzt werden könnte.»

Ist der Trend zu «Digital First» eine Bedrohung für Live-Marketing-Ansätze? Oder andersherum: Wie kann die Digitalisierung die Live-Kommunikation stärken und was tun Sie als Messebetreiberin dafür?
Von Weissenfluh
: «Als eine Bedrohung betrachten wir die Digitalisierung absolut nicht, sie kann - richtig eingesetzt - eine wertschöpfende Erweiterung und einmalige Chance für unser Kerngeschäftes sein.»

Können Sie das etwas konkreter ausführen?
Von Weissenfluh
: «Auf der B2B-Ebene, also an unseren Fachmessen, verbinden wir Inhalt, Relevanz sowie Netzwerk und stellen persönliche Beziehungen ins Zentrum. Wir ermöglichen unseren Kundinnen und Kunden Zugang zu den für sie relevanten Communities und agieren als Testmarkt für Neuheiten in Echtzeit. Wir bieten Unterstützung für die Gesamtmarktbetrachtung und ein Benchmarking innerhalb ihrer Branche.»

Und wie wird die Digitalisierung bei den Publikumsmessen spürbar?
Von Weissenfluh
: «Auf der B2C-Ebene setzen wir auf das Live-Erlebnis. Packende Inhalte und unmittelbare Emotionen sollen unsere Besucherinnen und Besucher begeistern. Heute ist es für uns ein ´must`, reale und virtuelle Plattformen zu verknüpfen, um den Begegnungszeitraum vor und nach der Veranstaltung zu erweitern und damit auch das Live-Angebot attraktiver zu machen.»

Im Oktober 2018 hatte die Bernexpo Groupe entschieden, das Finanzierungs- und Trägermodell der neuen Eventhalle «BEmotion Base» zu überprüfen und die weitere Planung des Neubaus vorläufig zu stoppen. Weshalb kam es zu diesem Rollstopp?
Von Weissenfluh: «Am Anforderungsprofil und dem inhaltlichen Konzept der geplanten Multifunktionshalle hat sich seit 2014 nichts geändert. Wir wollen uns jedoch vom reinen Flächenvermieter hin zu einem agilen Live-Kommunikations-Unternehmen entwickeln und daher haben wir uns entschieden, ein nachhaltiges Träger- und Finanzierungsmodell für alle unsere Messehallen zu etablieren.» 

Was heisst das konkret?
Von Weissenfluh
: «Ziel ist es, dass unsere Tochtergesellschaft, die Messepark Bern AG, mit ihren Immobilien weiterhin einen positiven Ertrag aus den vermieteten Flächen erwirtschaftet und dass für das Kerngeschäft der Bernexpo Groupe bestmögliche Voraussetzungen realisiert werden können.»

Wird sich HRS Real Estate AG an Ihrer Tochter Messepark Bern AG beteiligen?
Von Weissenfluh
: «Die Beteiligung der Investoren an der Messepark Bern AG kann zwischen 51 Prozent und 100 Prozent liegen. Heute halten die Bernexpo Groupe 77,6 Prozent der Aktien, die Stadt Bern, Kanton Bern, umliegende Gemeinden und die Burgergemeinde je zwischen 4 und 6 Prozent»

Die Basler MCH Group kämpft zurzeit mit roten Zahlen. Wie schätzt die Bernexpo Groupe die derzeitige Marktlage in der Messebranche ein?
Von Weissenfluh
: «Wir befinden uns in einem sehr anspruchsvollem Geschäftsumfeld, denn vieles ist, wie in der gesamten Dienst- und Kommunikationsbranche, im Wandel. Die notwendigen Weichen in der Unternehmensstrategie hat der Verwaltungsrat bereits 2016 gestellt und die Positionierung gemäss den künftigen Markt- und Kundenbedürfnissen geschärft. Die Bernexpo Groupe steht nach wie vor auf gesunden Beinen. Das Unternehmen hat sich auch im abgelaufenen Geschäftsjahr 2018 in einem schwierigen Umfeld erfolgreich behauptet und weist erneut einen Umsatzzuwachs aus - die erfreulichen Zahlen werden im April 2019 kommuniziert.»