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Samstag
09.03.2019

Werbung

Die strahlenden Sieger von TBWA\Zürich

Das Plakat als «letztes Massenmedium»? Die Frage von Markus Ehrle, CEO der Allgemeinen Plakatgesellschaft (APG), ist durchaus gewagt.

Bei der APG Poster Night 2019 machten herausragende Kreativkampagnen und feurige Balkanbeats aber einmal mehr beste Werbung für das Medium, das sich bei Schweizer Werbekunden einer ungewöhnlich hohen Beliebtheit erfreut.

«Europaweit gibt es kein Land, in dem Aussenwerbung beliebter ist als in der Schweiz», so Gastgeber Ehrle zum Auftakt der Poster Night, die am Donnerstagabend erstmals in der Halle 622 in Zürich Oerlikon stattfand. Im Gegensatz zu den abnehmenden Werbeumsätzen bei TV und Print konnte Out of Home seine Stellung zuletzt halten – und ist laut Ehrle dadurch auf dem Weg zum letzten Massenmedium.

Roland Ehrler, Direktor Schweizer Werbe-Auftraggeberverband, gab dem APG-CEO teilweise Recht: «Die Zukunft für das Plakat, als eines der ältesten Werbemittel, sieht auch aus meiner Sicht durchaus rosig aus», sagte er dem Klein Report. Er betonte allerdings auch, dass Fernsehen und Presse als «die eigentlichen Massenmedien» weiterhin hohe Reichweiten erzielen würden.

Was spricht also für die Aussenwerbung? Die Verschiebung des Nutzungsverhaltens ins Digitale gebe aber vor allem dem Medium Plakat Auftrieb, so Ehrler: «Ob somit in ein paar Jahren das Plakat zum letzten Massenmedium wird, bleibt offen», entzog sich der SWA-Direktor einer abschliessenden Prognose.

Der Besucherandrang an der Poster Night war grösser als auch schon: «Nach den neuesten Auswertungen waren es gut 330 Personen», so Catia Natazzi, bei der APG zuständig für Projekte und Events, zum Klein Report. Vielleicht haben sich die Werbekunden und Agenturen auch deshalb so zahlreich versammelt, weil die Feste andernorts seltener geworden sind. «Wir haben sehr viele positive Rückmeldungen erhalten, dass diese Ausgabe der Verleihung die ´best ever` war», sagte Natazzi zur neuen Location.

Die eingereichten Agenturarbeiten wurden einmal mehr von Marcel Weiss und seinem Team spektakulär in Szene gesetzt: Die analogen und digitalen Plakate wurden auf eine speziell angefertigte, 20 Meter lange Leinwand mit 3D-Effekt projiziert – ein richtiger Eyecatcher. In den Raum der virtuellen Plakate wurden zudem kurze Videosequenzen platziert, in denen die Jury-Mitglieder erklärten, was für sie eine gute Arbeit ausmacht.

«Ich suche einen Wow-Effekt» oder «das Plakat muss in Erinnerung bleiben», lauteten einige der Kriterien der total 21 Juroren, darunter Karin Estermann, Markus Gut, Martina Münch, Yvan Piccinno, Fernando Perez, Paula Troxler, Martin Spillmann, Philipp Skrabal, Claudia Schroeter, Remy Fabrikant, Alexander Jaggy und viele mehr.

Jurymitglied Markus Ruf, Creative Director und Mitinhaber der Agentur Ruf Lanz, erklärte dem Klein Report, wann ein digitales und wann ein analoges Plakat die bessere Wahl ist für eine Kampagne: «Sinn machen digitale Plakate, wenn die Animation nicht einfach nur Effekthascherei ist, sondern das Konzept unterstützt. Wie bei unseren Anagrammen für den persönlich Verlag, die gestern mit Gold ausgezeichnet worden sind. Diese Kampagne würde auf einem analogen Plakat nicht funktionieren, weil man sehen muss, dass sich der eine Begriff aus dem anderen Begriff förmlich herausschält.»

«Umgekehrt macht das analoge Plakat Sinn, wenn in einem überraschenden Bild mit prägnanter Auflösung alles Relevante gesagt werden kann – ´reduce to the max`. Die mit dem ´Poster of the Year` ausgezeichnete McDonald`s Kampagne von TBWA\Zürich ist ein exzellentes Beispiel dafür», so Ruf.

Für ein ebenfalls exzellentes, musikalisches Intermezzo der besonderen Art sorgte die Berner Blaskapelle «Traktorkestar». Die gelernten Jazz-Musiker heizten den Gästen der Poster Night mit einer Mischung aus Balkanbrass und neu interpretierter Volksmusik so richtig ein. Alexandra Maurer, die erneut makellos durch den Abend moderierte, hielt nur wenig auf ihrem Stuhl. «Meine Mutter sitzt direkt hinter mir, ich will sie nicht in Verlegenheit bringen», erklärte sie. Auch Roland Ehrler zeigte sich angetan von den rauschenden Klängen: «Der Sound der Brassband war ein Highlight für mich!»

Etwas ruhiger, aber nicht minder angeregt, ging es nach der Preisverleihung weiter bis in die späten Abendstunden. Beim vielfältigen Buffet und dem ein oder anderen Gläschen Rotwein liessen die Sieger des Abends zusammen mit Kunden und den Organisatoren die Feier ausklingen. Was bleibt Markus Ruf in Erinnerung von der APG Poster Night 2019? «Zweimal Gold, einmal Silber, einmal Bronze, fünf Nominationen und drei Alka-Seltzer am Freitagmorgen.»